Open Access


Vereinfacht gesagt bedeutet Open Access, dass der Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln und anderen Materialien (z. B. Forschungsdaten) im Internet kostenfrei und weitgehend hürdenlos möglich ist.

Die Forderung nach dem freien Zugang zu Artikeln begründet sich darin, dass der wesentliche Teil des Publizierens, etwa die Verschriftlichung und Einreichung eines Artikels, die Auswahl von Artikeln und die Peer-Review-Verfahren, von Wissenschaftlern selbst getragen wird. Die Befürworter von Open Access kritisieren daher (zurecht), dass ein Großteil der – meist steuermittelfinanzierten – Forschung nicht kostenfrei online zugänglich ist. Hinzu kommt, dass die hohen Lizenzgebühren für Fachzeitschriften und Paketdeals eine große Bürde und finanzielle Herausforderung für Universitäts- und Forschungsbibliotheken zu schaffen machen darstellen (auch hier), während Wissenschaftsverlage wie Elsevier, Wiley oder Springer aber seit Jahren auf Kosten der akademischen Wissenschaft und damit auch der öffentlichen Wissenschaftsförderung stattliche Gewinne einfahren. Der Steuerzahler bezahlt so quasi doppelt: Einmal für die Erstellung der Artikel und einmal dafür, dass die Bibliotheken sich wieder den Zugang zu den Artikeln erkaufen müssen, diesen aber zugleich hinter Zugangsschranken für Bibliotheks- oder Universitätsmitglieder wieder beschränken müssen. Die Diskussion um freien Zugang ist also verständlicherweise auch eine emotionale.

Die Verlage halten dagegen, dass die Organisation des Peer-Review-Prozesses – die nicht selten ebenfalls von den Wissenschaftlern übernommen wird -, die redaktionelle Bearbeitung eines Textes und dessen Veröffentlichung Geld kosten. Zudem erfüllen ihre Fachzeitschriften eine wichtige kuratierende Funktion in einer zunehmend unübersichtlichen Publikationslandschaft. Der neueste Bericht der STM Association zählte mehr als 28.000 peer-reviewed Fachzeitschriften, die jährlich mehr als 2.5 Millionen Artikel veröffentlichen. Der Bericht stellt fest, dass die Anzahl der Artikel seit zwei Jahrhunderten stetig wächst. Für Forscher ist es schwer, in dieser Fülle Wust an Information Qualität zu identifizieren. Etablierte Fachzeitschriften bieten hier eine Orientierung. Auch das ist sicherlich richtig.

Die Forderung nach dem freien Zugang zu Artikeln aus akademischer Forschung ist längst keine ideologische mehr. Forschungsförderer, Forschungsverbünde, Institute und Universitäten haben längst Open-Access-Strategien ausgearbeitet. Das Land Berlin etwa hat im Oktober 2014 eine eigene Open-Access-Strategie vorgestellt. Österreich will bis 2015 komplett auf Open Access umstellen. Es tut sich etwas beim akademischen Publizieren, auch aus Sicht und mit Nachdruck der Politik. Mit den neuen Online-Distributionswegen für wissenschaftliche Ergebnisse steht also die traditionelle Vermittlerfunktion von wissenschaftlichen Verlagen zumindest zur Disposition.1

Ein weiterer Trend ist die wissenschaftliche Publikation auf pre-print Servern. Dabei wird ein Artikel direkt veröffentlicht, ohne den zeitaufwendigen Peer-Review Prozess zu durchlaufen und zugleich Kommentierungen zu ermöglichen. Diese Praxis hat eine lange Tradition in der Physik, bekommt aber auch Aufwind in anderen Fachbereichen. Bekannte pre-print Server sind arXiv, bioRxiv und PeerJ preprints. Viele Journale besitzen heutzutage eine pre-print oder post-print Richtlinie, um das Publizieren auf pre-print Servern zu erlauben.2

Weitere Informationen:

Open Access-Beauftragte in Deutschland

Directory of Open Access Journals (DOAJ)

Informationsplattform Open Access

Lévy, Raphaël: “Where to Publish Our Next Paper? – Letter to a Group Member” JUnQ, 5, 1 (2015)

Schimmer, R., Geschuhn, K. K., & Vogler, A. (2015). Disrupting the subscription journals’ business model for the necessary large-scale transformation to open access. doi:10.17617/1.3

Weitere Open-Science-Themen:

 

Anmerkungen   [ + ]

1. Quelle (ergänzt): Benedikt Fecher, Das Momentum nutzen – denken wir bei Open Access weit genug? (Auszug) Lizenz: CC-BY-SA
2. Vgl. die Plattform rchiveit